Presse [09. Dezember 2000 Süddeutsche Zeitung]

Ungewöhnlicher Klangzauber


Jasmin Kolberg und Jürgen Spitschka überzeugen mit
Perfektion und Temperament


Penzberg - Ursprünglich brachten Sklaven
aus Afrika das Instrument mit in die neue Welt.
Holzstäbe, deren Ton über Flaschenkürbisse
verstärkt wurde und auf denen sich mit weichen
Schlegeln harmonische Töne erzeugen ließen.
Später entstanden ganze Marimbaphon-
Orchester und es wurde eigens Musik für das
einem überdimensionalen Xylophon ähnelnde
Instrument geschrieben. Am Dienstag nun
brachten Jasmin Kolberg und Jürgen Spitschka
ihre Marimbas nach Penzberg und verzauberten
bei einem Konzert im ZIST das Publikum.

Von Bach bis zu Kolbergs eigenen Kompositio-
nen reichte das Spektrum und zeigte ein-
drucksvoll, welch vielfältige Einsatzmöglich-
keiten das an Ausmaßen und Oktaven (fünf)
große Instrument bietet. Ebenso zart wie die
Musikerin waren die Töne bei Debussys Dr.
Gradus und Parnassum. Fremdartig erschien zu
Beginn die Prelude der englischen Suite Nr. 3
Bachs, bis man sich eingehört hatte und fest-
stellen konnte, dass die Werke des großen
Meisters auch wunderbar zum Marimba passen.
Tief schwangen die dunklen getragenen Reso-
nanzen durch den Raum.

Von ganz anderem Genre war Piazollas Tango.
Das perfekt abgestimmte Duo spielte mit
Temperament die rassigen Rhythmen, voll dem
ganzen Stolz und der Wehmut Südamerikas,
sodass mancher unwillkürlich auf dem Sitz mit-
wippte. Die vielen Möglichkeiten eines
Percussionisten demonstrierte Spitschka aus-
führlich beim Einsatz von Regenholz, Daumen-
klavier, Schellenbändern, Bongos oder einfach
nur einem nassen Wischlappen. Ein Zuhörer
bekam bei Keiko Abes, "Memories of the
seashore", die "ocean drum", eine mit kleinen
Kugeln gefüllte Schale in die Hand gedrückt.
Während er konzentriert Wellen rauschen ließ,
erzeugten die beiden Musiker eine Meeres-
stimmung, die den Zuhörer bei geschlossenen
Augen direkt an die Küste versetzte und in ihm
einen inneren Film bewegter Bilder ablaufen
ließ.

Mitreißend und experimentell, teils mit
samba-ähnlichen Klängen Kolbergs selbstge-
schriebenes Stück "Kalimbob". Hier, wie auch
in den Solostücken, begeisterte nicht nur die
Musik, sondern auch die junge Musikerin selbst,
die virtuos und graziös vor ihrem Instrument hin
und her wirbelte und mit vier Schlegeln gleich-
zeitig präzise mit akrobatischer Geschicklichkeit
die Klanghölzer aus Palisander anschlug.

Eine Ohren- und Augenfreude, dies Konzert.
Den ausgiebigen Applaus hatte es wohl
verdient.

                                     KATRIN FOGENER
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