Presse [September 1999 NWZ Porträt / Die Percussionistin Jasmin Kolberg]

Von Nagano über Uhingen nach New York

In Japan bei der 2. World Marimba Competition einen Preis gewonnen - Zur Konzertvorbereitung nach Amerika


Zu Hause ist sie nur selten anzutreffen. Die Uhinger Percussionistin Jasmin Kolberg zollt schon jetzt der Musikerlaufbahn, die sie für die Zukunft ins Auge gefasst, Tribut. Auf der Reise von Japan, wo sie an einem Wettbewerb teilgenommen hatte, nach Amerika, wo sie zwei Konzerte geben will, machte sie eben mal in der Heimat Station.

Hans Herdeg

     Zum zweiten Mal nach 1996-damals wurde der Wettbewerb in Stuttgart ausgetragen- fand jetzt Ende August in Okaya, Nagano, in Japan, die World Marimba Competition statt. Währende einer ganzen Woche hatten 74 Teilnehmer aus aller Welt, unter ihnen als einzige Deutsche Jasmin Kolberg, die Gelegenheit, die gestrenge Jury unter der Leitung von Keiko Abe, Komponistin und Marimbavirtuosin, von ihrem Können zu überzeugen. 14 junge Musiker- das Höchstalter war 35 Jahre- erreichten die zweite Runde, sechs von ihnen schließlich das Finale. In diesem belegte Jasmin Kolberg den 3. Platz (die Preise 1 und 2 gingen nach Polen bzw. Japan).
 
     Weit gefehlt, dass die junge Percussionistin nun nach Haus zurückkehren und sich in Uhingen vom Wettbewerbs-Stress und den Reise-Strapazen erholen würde. Das Filstal war der Musikerin gerade mal einen Abstecher wert auf ihrer Route von Japan über Italien nach New York,
     Trotz dieser und weiterer Erfolge bei zahlreichen Solokonzerten ist Jasmin Kolberg noch nicht ganz zufrieden mit der Akzeptanz ihres Instruments sowohl an den deutschen Musikhochschulen wie in den Konzertsälen. An ersteren wird das Marimbaphon, das die Künstlerin seit 1996 mit neuer Technik spielt, immer noch als "Anhängsel" zum Schlagzeug angesehen und nicht als Solofach unterrichtet, in letztern zeigt sich das Publikum zwar höchst beeindruckt von der sichtbaren Technik, weniger jedoch, so ihre Erfahrung, vom Klang des Instruments, von seinen Nuancen und Farben.

     Dieses zum Positiven zu wenden, konzertiert die junge Musikerin so oft sie nur kann und erweitert für ihre Auftritte auch das doch etwas beschränkte Repertoire durch eigene Kompositionen oder durch Transkriptionen tradierter Musik, etwa von Werken Bachs oder Debussys.

     Dieses Musikerleben, das sie auch mit grossen Orchestern zusammenführt, macht ihr Spaß, und so hat Jasmin Kolberg, die im kommenden Frühjahr ihr Studium absolviert haben wird, denn auch, wenngleich nur recht vage ("wenn man davon leben kann"), eine Solistenkarriere ins Auge gefasst, die ihr dann vielleicht
wo es zwei Konzerte vorzubereiten galt und sie ihr in New Jersey wohnender Lehrer Leigh Howard Stevens zu Besprechungen und Proben erwartete. Überhaupt proben und lernen, das war offensichtlich von Kind auf die Devise, der 1974 in Stuttgart geborenen Jasmin Kolberg, die auch heute noch als fast schon arrivierte Künstlerin täglich etwa acht Stunden an ihrem Instrument übt. Zu diesem, dem Marimbaphon, war sie relativ früh gelangt, wenngleich sie- siebenjährig- zunächst, angeregt von ihrem Vater der Schlagzeuger war, dem Schlagzeug zugetan war und dazuhin das Klavierspiel erlernte. Mit Vater und Bruder musizierte sie im Trio. Doch schon vor ihrem Studium, das sie 1992 als Vorstudentin bei Prof. Klaus Treßelt an der Stuttgarter Musikhochschule aufnahm, entdeckte sie das Marimbaphon für sich: Sie konnte sich an diesem Instrument" mehr austoben als auf den Pauken". 1994 errang sie den 1. Preis beim Landeswettbewerb "Jugend Musiziert", Im selben Jahr wurde sie Mitglied des "Percussion Ensemble Stuttgart".

     Seit 1996 ist Jasmin Kolberg Meisterschülerin bei Leigh Howard Stevens in New York, einem der führenden Marimba-Virtuosen überhaupt.Darüber hinaus erhält sie auch Unterricht bei den Professoren Frederic Macarez und Eric Sammut am Conservatoire Superieur de Paris. Meisterkurse etwa bei Gordon Stout, Bob Becker oder Michael Burritt (alle USA) und Keiko Abe (Japan) ergänzen die Ausbildung, deren Qualität sich schon bei verschiedenen Wettbewerben ausgezahlt hat.
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