Presse [12. Oktober 2001 Ludwigsburger Kreiszeitung]

Wie man dem Marimbaphon mit vier
Schlägeln Sphärenmusik entlockt


Ungewöhnliches Kammerkonzert mit Jasmin Kolberg in der Schlosskelter


Freiberg – Zauberhafte Musik mit glanzvoller
Virtuosität auf Instrumenten ausgeführt, deren
Ursprünge in Afrika zu finden sind-das erlebten
die Besucher eines Konzerts mit dem Titel
„Percussion und Kunst“, das am Mittwochabend
im Rahmen der Reihe „Kammermusik in der
Kelter“ des Kulturamtes stattfand.

Eine hochbegabte Musikerin ist Jasmin Kolberg
aus Stuttgart, die gemeinsam mit Marta Klimasara
und Frank Dapper ein Programm gestaltete, das
auf Marimbaphon und Perkussionsinstrumenten
dargeboten wurde.

Volksinstrument in Guatemala
Beide Instrumente haben ihre historischen
Wurzeln in Afrika. Das Marimbaphon brachten
die Sklaven nach Mittelamerika mit und es wurde
insbesondere in Guatemala ein Volksinstrument.
Das xylophonartige Schlaginstrument besteht
heute aus Resonanzröhren aus Metall oder
Fiberglas, doch ursprünglich waren es über
Lehmlöcher oder auf Kalebassen gelegte
Holzplatten, die man mit weichen Schlägeln
bespielte. Um die Jahrhundertwende vom 19. zum
20. Jahrhundert gelangte das Marimbaphon in die
USA. Ein Instrument wie es auch von Jasmin
Kolberg am Mittwochabend zu hören war,
umfasst in der Regel 5 Oktaven und ist bis zu
drei Metern lang. Es war denn auch zu
bewundern, wie die junge Musikerin hinter ihrem
Instrument regelrecht tanzte, um es mit vier
Schlägeln zum klingen zu bringen.

Wenige Originalkompositionen
Es gibt wie Kolberg den Konzertbesuchern
erläuterte, noch nicht sehr viele Kompositionen
für das Marimbaphon, weshalb sie häufig auch
auf Transkriptionen von Werken zurückgreifen
muss, die eigentlich für andere Instrumente
geschrieben worden waren. Doch brachte die
Künstlerin eine Reihe von Originalstücken
zeitgenössischer Komponisten zur Aufführung,
die in besonderer Weise die nuancenreiche
Klangfülle des Instruments auskosten. Sie
verlangten allerdings ein Höchstmaß an Virtuosität.

Klangvielfalt und –feinheit
In ungewöhnlicher und die Fantasie der Zuhörer
zweifellos anregender Klangvielfalt und –feinheit
interpretierte Jasmin Kolberg Solostücke von
Claude Debussy, N.J. Zivkovic, Eric Sammut,
Michael Burritt, Rich O’Meara sowie eine eigene
Komposition. Zusammen mit Marta Klimasara,
einer gebürtigen Polin, die in ihrer künstlerischen
Entwicklung und Gestaltungskraft Jasmin Kolberg
kaum nachsteht, sowie dem Ludwigsburger
Percussionisten Frank Dapper werden außerdem
Kompositionen von Keiko Abe und Astor Piazzolla
aufgeführt.

Vor allem die Originalkompositionen ließen
erkennen, welchen musikalischen Zauber das
Instrument zu entfalten vermag.
Mit eindrucksvoller Virtuosität ließ die Stuttgarter
Musikerin mystische oder märchenhaft
Klangbilder entstehen. Die zahlreichen Besucher
des Kammermusikabends waren uneingeschränkt
begeistert von diesem Musikgenuss auf hohem
künstlerischem Niveau.

Zu den von sanften, auch wie Sphärenmusik
anmutenden Klängen ausgelösten Gedanken und
Träumen konnten sie sich während der
Aufführungen auch von den farbintensiven
Bildern des Freiberger Malers Artur Luz de Bré
inspirieren lassen. Ein zu jeder Komposition
jeweils mit viel Einfühlungsvermögen
ausgewähltes, großformatiges Werk des Künstlers
wurde auf dem Podium aufgestellt.

Diese Verbindung von Musik und bildender Kunst
gab dem Konzert in der Schlosskelter zusätzlich
ein unvergleichliches Gepräge.

Rudolf Wesner

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