Presse [15. Juli 2000 NWZ]
INTERVIEW MIT JASMIN JOLBERG

Quirlig und begeistert wirkt Jasmin Kolberg wenn sie von ihrer Musik erzählt. NWZ-Redakteurin Petra Schober hat sich mit der zierlichen Person mit einer ganz besonderen Aura unterhalten.

Jasmin Kolberg spielt am Freitag, 28. Juli auf Schloss Filseck
Gibt es Tage an denen Sie nicht spielen?
Ja, die gibt es. Von zehn Tagen sollte ein Tag ohne Instrument sein, oder aber im Urlaub, das muss auch sein. Allein, damit sich der Körper auch erholen kann. Wenn man es mal eine Woche liegen lässt, dann reift die Kunst auch wieder.

Sie haben studiert und abgeschlossen, und Sie waren sehr viel im Ausland?
In Deutschland gibt es noch nicht so viele Marimbaspezialisten. Doch neben der fachlichen Kompetenz spielt für mich auch die menschliche Seite eine große Rolle. Da muss einfach die Chemie zwischen Lehrer und Student stimmen. Die Harmonie im Gespräch und im Spiel ist gleichermaßen wichtig. Ich hatte das Glück in Stuttgart mit Professor Treßelt einen Lehrer gefunden zu haben, mit dem ich aus all diesen Gründen sehr gerne arbeite. Doch bei mehreren Lehrern zu studieren ist für eine solistische Laufbahn wichtig und deshalb hat es mich ins Ausland gezogen. Ein großer Name allein genügt nicht, wenn man nichts lernt. Vor ein paar Jahren habe ich dann Leigh Howard Stevens in Amerika getroffen, der mich dann spotan in seine Meisterklasse aufgenommen hat. Und in Frankreich studiere ich noch das Fach Soloklasse- Marimba bei Professor Frédéric Macarez am Conservatoire Supérieur de Paris.

Eine Kostprobe Ihres Könnens gibt es dann am Freitag 28. Juli beim Musikfestival auf Schloß Filseck zu hören?
Ja, da spiele ich dann mit Eric Sammut zusammen. Vor Jahren als ich Eric das erste mal gehört habe, bekam ich eine Gänsehaut und wusste gleich, das ist der Richtige.
In dem Beruf ist Sensibilität gefragt, aber es passen nicht alle so einfach zusammen. Eric hat mich durch seine Musikalität und die Vielfalt seiner Klangfarben begeistert.
Er zeigt eine riesige Bandbreite und tritt gleichzeitig sympatisch bescheiden auf. Was ich besonders an ihm schätze, er hat es einfach nicht nötig virtuos rumzuhampeln. Wir stehen uns gut und unsere sensiblen Seiten passen halt gut zusammen. Mit wenig Worten passiert gleich ganz viel.
Und was gibt es dann von Ihnen zu hören?
Eine große Palette bieten wir von Debussy und Bach bis zu zeitgenössischer Musik. Ein Trommelstück und auch Kompositionen von Eric und mir. Eric ist aber immer offen für Überraschungen. Momentan ist er in Salzburg bei den Festspielen und wird eigens fürs Konzert anreisen.

Wie sehen die Zukunftspläne aus?
Eigentlich so wie jetzt, alles vielleicht größer, mehr besse und weiter. Es ist schwer sich ein Ziel zu stecken. Momentan strebe ich einfach die Solokarriere an.

Haben Sie noch Zeit fürs Privatleben?
Ja, klar. Ich koche auch gerne und angeblich auch gut. Aber für Hobbys gibt es in dem Sinn keinen Platz mehr. Nichts was regelmäßig ist. Reiten, Tennis spielen, Schreibtische umlackieren, Geburtstagsgeschenke basteln, das läßt ein bisschen nach. Ich muss selbst alle e-mails beantworten, der Papierkram hängt an mir, noch bin ich nicht von den größten Agenturen der Welt vertreten.

Gibt es Wünsche?
Ja klar, ein Bauernhof irgendwo auf dem Land wo ich ungestört üben kann. So zwei Stunden am Tag, das verübelt einem ja niemand, aber ich muss manchmal bis zu acht Stunden proben, das erträgt kein Nachbar.

Info: Jasmin Kolberg ist zusammen mit Eric Sammut und ihren Marimbas am Freitag 28. Juli 2000 um 20 Uhr auf Schloß Filseck zu hören.
Das Marimbaphon, technisch vervollkommneter Typ mit Resonanzröhren der Marimba, eines afrikanischen Xylophons, vermutlich malaiisch-ozeanischen Ursprungs. Der runde und samtige Klang des Marimbas wird durch das Schlagen mit weichen Schlägeln erzeugt, kann auber auf vielfältigste Art verändert werden.
NWZ: Sie spielen ein nicht gerade gewöhnliches Instrument. Das Marimbaphon. Wie kommt Jasmin Kolberg dazu?
Jasmin Kolberg: An sich kann jeder der sich für das Schlagzeugspielen interessiert dazu kommen, zum Beispiel über die Jugend-Musikschule. Bei mir war das allerdings anders. Als Siebenjährige überlegte ich mir das sicher noch nicht so richtig. Doch der Vater spielte als Schlagzeuger bei den Stuttgarter Philharmonikern und hat dann eine eigene Firma gegründet mit Schlaginstrumenten. Das ganze Haus war mit Instrumenten voll.

Aber Sie spielen auch noch andere Instrumente.?
Ja , Geige. Meine Mutter ist Geigerin. Doch das Schlagzeug war das Instrument bei dem ich mich am besten ausleben konnte. Glücklicherweise gehört zu den Schlaginstrumenten auch das Marimbaphon und dies stellte schon bald für mich den Ausgleich zu den anderen Instrumenten dar, wie die Trommel oder Pauke. So sehr mir Trommeln auch Spaß macht, aber mir fehlte die Harmonische Vielfalt, die das Marimbaphon bietet.

Gerade mal 26 Jahre alt, haben Sie sich schon für die Musikerlaufbahn entschieden. War das ein Wunschtraum?
Ob diese Laufbahn funktioniert, weiß man sicher nie, aber man fühlt die richtige Entscheidung. Vor allem als Solist hat man ja keine feste Anstellung, was eine gewisse Unsicherheit mit sich bringt. Aber das Schöne an dem Beruf ist- es fällt einem nicht schwer dich darauf einzulassen. Man glaubt an sich und steht dahinter und dann muß man es einfach tunl Der Gedanke nicht mehr spielen zu können, wäre mir unerträglich. Acht, neun Stunden Übung am Tag, da spielt man schon auf einem relativ hohen Niveau und vor allem der Anspruch an sich selbst steigt. Man wird mit der Zeit musikalisch reifer und findet ständig neue Möglichkeiten der Interpretation. Alldem könnte ich nicht gerecht werden, würde ich das Marimbaphon-Spiel als Hobby betreiben. Für mich ist es die richtige Entscheidung.

Ist das Spiel auch eine körperliche Belastung für Sie?
Ja klar, ich muß regelmäßiges Fitnesstraining machen , und ein bisschen was gegen meine Muskelschwäche tun. Sechs oder mehr Stunden rotieren der Unterarme, dafür ist der Körper sicher nicht geschaffen.
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