Presse [25. November 2002 Wiesbadener Kurier]

Vom Hubschrauber-Start in der Sektkellerei


Mit Elan und Perfektion: Das „Schlagzeugtrio Kolberg“ auf Henkellsfeld

Wo gewöhnlich zarte Streicherklänge mit nicht
ganz so zarten Sektdüften um die Wette
schweben, wo Pianisten Läufe perlen lassen oder
Bläser schönste Launen verbreiten, wo einige
der Jüngsten im Saal regelmäßig auf dem Podium
anzutreffen sind, dort hätte man vielleicht nicht
unbedingt erwartet, dass sich das Publikum von
martialischen Percussion-Klängen begeistern lässt.
Zum ersten Mal in der zwanzigjährigen
Geschichte der Henkellsfeld-Konzerte standen in
der Sektkellerei Schlagzeuger im Rampenlicht.
Jasmin Kolberg, Namensgeberin des
„Schlagzeugtrios Kolberg“, machte aus ihrer
Überraschung über die Ovationen gar kein
Geheimnis und stellte, zum Publikum gerichtet,
fest: „Ihnen kann man ja einiges zumuten!“.

Das bekannte sie, nachdem ihre polnische
Kollegin Marta Klimasara mit „Rebond II“, einem
furiosen Percussion-Solo aus der Feder des
griechischen Komponisten Iannis Xenakis,
sozusagen die Grundmauern der Sektkellerei auf
ihre Standfestigkeit überprüft hatte. Ebenso
schlagkräftig das Stück „Lift-Off“ von Russel
Peck: Nichts anderes als ein Hubschrauber-Start
wird von Tomtoms und großer Trommel imitiert;
aufgebaut waren diese Instrumente, wie passend,
oben auf der Empore–wohl auch, weil auf dem
Podium der Platz fehlte. Dort stand gleich eine
ganze Schlagwerk-Batterie, im Zentrum zwei
Marimbaphone, Kuriositäten nicht ausgeschlossen.
Besonders apart der „Chicken-Shaker“. Sieht aus
wie ein blassviolettes Osterei, raschelt beim
Schütteln und kam zum Einsatz in Nigel
Westlakes „Omphalo Centric Lecture“. In dieser
tönenden Beschreibung einer Bahnfahrt
herrschten ruhigere Töne vor, ebenso in einigen
Transkriptionen für Marimbaphon: Jasmin
Kolberg bewies, dass Debussys „Dr. Gradus ad
Parnassum“ mit weichem Piano und flüchtig-
leichten Klängen nichts von seinem Charme
verliert. Und die Fuge aus Bachs g-Moll-Sonate
für Violine scheint, auf Holzplättchen intoniert, an
Transparenz noch zu gewinnen. Mit dem Wogen
und Aufschaukeln der Töne auf gleich zwei
Marimbaphonen spielt die japanische Komponistin
Keiko Abe in „Memories of the Seashore“: Marta
Klimasara, vergangenes Jahr Siegerin beim
Münchener ARD-Wettbewerb, interpretierte die
Stück mit dem Amerikaner Eckhard M. Stromer,
Dritter im Schlagzeuger-Bunde, so suggestiv wie
feinfühlig ausgehorcht.

Jasmin Kolberg gab zu jedem der zwölf
aufgeführten Stücke, darunter auch „Minimal
music“ und Piazzolla-Bearbeitungen, eine kurze
Einführung. Das mag das Interesse an den
Instrumenten, die im Orchester doch regelmäßig
die hinteren Positionen besetzen, noch gesteigert
haben. Immerhin hatte das Trio nach dem
Konzert zahlreiche Publikums-Fragen zu
beantworten: Auch diejenigen, die skeptisch die
Sektkellerei betreten hatten, dürften vom Elan und
der Perfektion dieser jungen Musiker überzeugt
worden sein.

 Axel Zibulski
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