Presse [25. November 2002 Wiesbadener Tagblatt]

Furioses Schlagwerk


Das glänzende Trio Kolberg auf Henkellsfeld


rhe. – Ungewohntes musikalisches Szenarium
mit Schlagwerkzeugen aller Art auf dem Podium
von Henkellsfeld. Im wie immer ausverkauften
schönen Marmorambiente war das Schlagzeugtrio
Kohlberg (Jasmin Kolberg, Marta Klimasara und
Eckhard M. Stromer) zu Gast, vielleicht von dem
einen oder anderen Konzertbesucher etwas
misstrauisch beäugt. Doch dieser Vorbehalt sollte
sich bald in das Gegenteil verkehren.

Jasmin Kolberg, „Chefin“ des exzellenten
Ensembles, frisch und gelöst das Programm
kommentierend, entlockte zu Beginn dem
Marimbaphon mit der Interpretation von
Debussys „Dr. Gradus ad Parnassum“ eine solch
erstaunliche Vielfalt an farblichen Nuancen, dass
der impressionistische Gehalt des Werks
bestechend zur Geltung kam. Bei Bachs Fuge aus
der Sonate in g-Moll für Violine solo (BWV 1001)
wurde die polyphone Struktur transparent erfasst.
Marta Klimasara und Eckhart Stromer verliehen
den „Memories of the Seashore“ aus der Feder
der Marimbaspezialistin Keiko Abe
stimmungsträchtiges Kolorit.
Klimasara entfesselte des beengten Raumes
wegen auf der Treppe seitlich des Podiums mit
Iannis Xenakis „Rebond II“ ein hinreißendes
Schlaggewitter, später folgte aus gleichen
Gründen auf der Empore eine mit spontanem
Riesenbeifall bedachte ähnlich furiose
klangmächtige Entladung mit Russel Pecks „Lift-
Off“. Weicher und gedämpfter ging es dagegen
in der kreiselnden Motivik von Nigel Westlakes
„Omphalo Centric Lecture“ und in zwei Sätzen
aus Michael Buritts „Aus Caritas“ zu. Mit Astor
Piazzolla befassten sich zwei Beiträge. In einer
Transscription wurde im ersten Satz aus der
Tango Suite des Komponisten der skandierende
Rhythmus beschworen, der auch Eric Sammuts
„A Star Piazzola“ bestimmte.

Ein reichhaltiges und fesselndes Programm, das
Begeisterung auslöste und mit „Kalimbob“, einer
packend realisierten Komposition Jasmin Kolbergs
für Kalimba und Marimbaphon, endete. Die
Verpflichtung dieser Künstler war eine glänzende
Idee, man sollte sich nicht scheuen, hin und
wieder auch außergewöhnliche Wege zu gehen.
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