Presse [27. März 2000 Peiner Allgemeine Zeitung]
Forum/ Gestern Abend Percussion Project mit Jasmin Kolberg

Hinreißende Prägnanz
und duftiges Tremolo

     Peine. Musikalische Schlagkraft solchen Ausmaßes ist bei klassischen Konzerten selten zu hören. Gestern Abend beeindruckte das Percusssion Project Rostock im Forum mit Bearbeitungen zweier Konzerte aus Vivaldis "Jahreszeiten" sowie modernen Klängen. Die Schlagzeuger langten voll hinein in ihr Instrumentarium, und bei Vivaldi standen gleich fünf Marimbaphone auf der Bühne. Es ist dies auch das Instrument der Solistin Jasmin Kolberg, die es allein und im Zusammenspiel mit Mitgliedern des Ensembles präsentierte.
     Dank ihrer Meisterschaft erlebte man die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten dieses Schlaginstrumentes. Über jegliche technischen Probleme erhaben, musizierte die Künstlerin mit überzeugender Musikalität und differenziertem Ausdruck eine Bearbeitung der Fuge aus Bachs g-moll Sonate für Violine allein. Und was die Violine nur anzudeuten vermag, nämlich die Vierstimmigkeit, gelang der Marimbaphonistin überzeugend. Sie kristallisierte die Linienführung heraus und schenkte den Echostellen ("Terrassendynamik") die nötige Aufmerksamkeit, wenn ihr Spiel auch bei recht freiem Umgang mit dem Tempo eine romantische Nuance erhielt.
     Besonders eindrucksvoll eine Eigenkom-position mit dem Titel "Kalimbob", ein Stück mit leisen Begleitgeräuschen wie Wasserplätschern, viel Melodik und entfesselten Schlagzeugpassagen. Sehr intim wirkten die Variationen über japanische Kinderlieder von Keiko Abe, ein hochgradig virtuoses Stück.
     Die Rostocker spielten nach der Pause die Vivaldi-Sätze (Bearbeitung: Thomas Widiger) mit hinreißender Prägnanz und imitierten die langsamen Streichersätze mit flächigem, duftigem Tremolo.
     Grandios Marimba Spiritual" von Minoru Miki mit der Solistin und drei Percussionisten. Ein rhythmisch außerordentlich diffiziles Werk mit Klangexzessen und lyrischen Partien, das Begeisterung auslöste und zu einer ganzen Suite von Zugaben überleitete. Schlaginstrumente in den Mittelpunkt eines Konzertes zu stellen - sicher ein Risiko, das der Kulturring gestern einging. Aber das Publikum erwies sich als aufgeschlossen und war von dem Experiment begeistert. Kurzkritik: Aparte Partituren, ein eindrucksvoller Abend.

Jürgen Dieckhoff
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