Presse [31. Juli 2000 NWZ]
Sommerfestival Schloss Filseck "Symphonie des Couleurs
Kräftig-würzige Mahlzeit und
locker leichtes Dessert

Mit zwei in mancherlei Hinsicht kulinarischen Konzerten ging das Sommerfestival Schloss Filseck am Freitag zwar noch nicht ins Ziel, doch in die Endrunde: In der Göppinger Stadthalle war Musik auf dem Marimbaphon angesagt, auf Filseck Gruseliges zur Mitternacht annonciert.

     Was vom Veranstalter vielleicht als belebender, muntermachender Aperitif für die zu später Stunde noch weiteren geistigen Genüssen sich zuwendenden Musikfreunde gedacht war, die "Symphonie des Couleurs" entpuppte sich als kräftige, exotisch gewürzte Hauptmahlzeit, raffiniert zubereitet nicht nur auf der Marimba, sondern auch auf vielerlei anderem Schlagwerk von den Percussionisten Jasmin Kolberg, Eric Sammut und Jürgen Spitschka, die nicht davor zurückschreckten , selbst schwerverdauliches in ihr Menue aufzunehmen, dem sie jedoch, um dem "musikalischen Magen" der Zuhörer nicht allzu heftig zuzusetzen, stets etwas leichtere Kost folgen liessen. So fügte sich an Debussys "Doctor Gradus ad Parnassum", dem ersten auf Clementis Etüdenwerk anspielenden Stück aus "Childrens Corner", von Jasmin Kolberg für das Marimbaphon bearbeitet und auf diesem sehr klangsensibel gespielt, wie's der Komponist den Klavierinterpreten empfahl "vom modere zum anime steigernd", eine von Eric Sammut mit swingender Unterhaltsamkeit improvisierte "Hommage an Edith Piaf" mit vielen ihrer wunderbaren Chansons wie etwa "La vie en rêve", schloss sich an die Fuge aus der g-moll Sonate für Violine solo von Johann Sebastian Bach, wiederum von der jungen Uhinger Percussionistin arrangiert und ebenso präzis wie farbenprächtig auf dem Marimbaphon dargestellt,
eine Fantasie Eric Sammuts über Themen aus Puccinis Oper "La Bohème" an, darunter der berühmte Walzer der Musetta aus dem zweiten Akt, und schließlich gar ein Tango von Astor Piazzolla.
     
     Für Abwechslung in der "Speisenkarte" war also gesorgt, doch auch für eine exquisite Zubereitung, den die beiden Solisten und später auch Jürgen Spitschka als Dritter im Bunde bewiesen nicht nur das für das Schlagwerk unerlässliche rhythmische Gespür, sondern auch, ob auf tönendem Holz oder klingenden Fellen, klanglichen Feinsinn und spielerische Delikatesse, dazu noch kompositorisches Können wie Eric Sammut in "Rotation 2" oder Jasmin Kolberg in "Kalimbob". Selbst die Bach-Bearbeitungen- im zweiten Konzertteil folgte auf Keiko Abes "Memories of the Seashore" noch das Präludium aus der dritten Englischen Suite- gaben Beispiele für eine einfühlsame tonsetzerische Meisterschaft: Die Musik des Thomaskantors überstand mit ihrer Kraft nicht nur die Arrangements, sie schien sich in dem neuen klanglichen Gewand nachgerade wohlzufühlen und gegen gewagte Kontrastierungen wie "Besame Mucho" keinerlei Einwände zu haben. Viel Beifall hierfür und vor allem für die mit instrumentaler Raffinesse abgeschmeckte Demonstration tönender wie spielerischer Möglichkeiten auf dem unterschiedlichsten Schlagwerk.

     Einem solch üppigen wie kräftigen Mahl zu später Stunde noch ein zweites, wenn auch ganz anderes folgen zu lassen, war ein Wagnis, das...
Hans Herdeg
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