Presse [19. November 2007 Albbote]
MUSIKFREUNDE / Konzert mit Jasmin Kolberg
Die Marimbista lässt das Holz klingen
Klangvoll und dynamisch erlebten rund 50 Konzertbesucher den Freitagabend in der Zehntscheuer: Jasmin Kolbergs Marimba-Konzert fesselte die Zuhörer mit der unglaublichen Klangfülle eines nicht alltäglichen Perkussions-Instruments: Das Marimbaphon.
Vom 19.11.2007

Klangvoll und dynamisch erlebten rund 50 Konzertbesucher den Freitagabend in der Zehntscheuer: Jasmin Kolbergs Marimba-Konzert fesselte die Zuhörer mit der unglaublichen Klangfülle eines nicht alltäglichen Perkussions-Instruments: Das Marimbaphon. ________________________________________ SABINE HERDER ________________________________________ MÜNSINGEN. Fünf Oktaven und 61 Palisanderholzstäbe - das Marimbaphon zählt zu den Schlaginstrumenten und schafft es unter solch geübten Händen wie die der Marimba-Virtuosin Jasmin Kolberg doch, einen faszinierend melodiösen Klangreichtum zu entfalten. "Las maderas que cantan" - "das Holz, das singt" zeigte unter den vier Schlägeln in den Händen der "Marimbista" Kolberg ein breites Spektrum klanglich-dynamischer Möglichkeiten: Klassik, Jazz, Tango und moderne Kompositionen erklangen im abwechslungsreichen und anspruchsvollen Programm des Abends, der von der Gesellschaft der Musikfreunde und der vhs veranstaltet worden war. Jasmin Kolberg begeisterte die Zuhörer mit Poesie und Rhythmus. Aus Afrika stamme das Instrument ursprünglich, informierte die Perkussionistin selbst ihr Publikum. Dann kam es mit der Sklaverei nach Mittelamerika, wo es heute als Volksinstrument gilt. Ganz dicht am Bühnenrand hat sie ihr Instrument aufgestellt: "Da vorne klingt's am besten". Als sei es für alle Stimmungen geschaffen, ließ Jasmin Kolberg das Marimbaphon mit Stücken erklingen, die voller perkussiver und melodiöser Herausforderungen steckten: An den nicht original für das Marimbaphon geschriebenen klassischen Stücken "Doctor Gradus ad Parnassum" von Debussy und der "Fuge aus der Sonate g-moll für Violine solo" von Bach wurde kein Ton geändert. Einfühlsam entfaltet Jasmin Kolberg mit dem Tanz der Schlägel auf den Holzstäben dabei die Klangfülle eines ganzen Orchesters. Die geniale Verbindung von perkussiven und melodiösen Elementen, die das Marimbaphon zu leisten vermag, eröffnete sich den Zuhörern in dem präzise gespielten, rhythmus-sprühenden Stück "Ghanaia" von Matthias Schmitt. Hier belegte der afrikanische 7/8-Rhythmus den Ursprung des Instruments vom schwarzen Kontinent.

Eigenwillig schmerzvoll erklangen die "Variations on Lost Love Part 1 und 2" von David Maslanka, romantisch und lyrisch hingegen das Stück "Nancy" von Emmanuel Sejourne. Beinahe mystisch ertönten Burma- und Schalengong gemeinsam mit dem Marimbaphon in Kolbergs eigener Komposition "Insomnia". Und während die Musikerin die "Ocean Drum" durch die Publikumsreihen gehen ließ, um ihr ein sachtes Meeresrauschen zu entlocken, unterlegte sie dies selbst mit den zarten Klängen der "Memories of the seashore" von Keiko Abe. Mitreißend und genial schloss sie ihr Programm mit dem von Eric Sammut arrangierten "Libertango" von Astor Piazzolla. Unterstützt von begeistertem Applaus ließ sich die sympathische Marimba-Virtuosin um ihre Zugabe nicht lang bitten. Mit dem Stück "Rotation" von Eric Sammut stellte sie noch einmal die technische Herausforderung des Marimba-Spiels unter Beweis. Der virtuose Tanz zweier Hände mit je zwei Schlägeln gleichzeitig auf den Holzstäben braucht genau dies: Die gekonnte, einfühlsame Rotation im Handgelenk. Nach dem Konzert waren die Besucher auf die Bühne eingeladen: Jasmin Kolberg zeigte und erklärte den Musikgenießern gern ihr faszinierendes Instrument.

 

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