Presse [22. September 2003 Geislinger Zeitung]
Konzert / Der Kulturverein startet die neue Saison mit Jasmin Kolberg und Jürgen Spitschka,
das Publikum applaudiert begeistert


Marimba und Percussion in wunderbarer Harmonie
Mit ungewöhnlichem Instrumentarium begann am Donnerstag der Geislinger Kulturverein seine Konzertsaison. Das Duo Jasmin Kolberg und Jürgen Spitschka spielte Originalkompositionen und Bearbeitungen für Marimba und Percussion.

Geislingen - Angesichts der nicht gerade konventionellen Besetzung war die Zahl der Besucher ganz ordentlich, zumal wenige Tage zuvor in der Martinskirche eine Doublette veranstaltet worden war.
   Die Darbietungen der jungen Künstler begeisterten das Publikum im Martin-Luther-Haus. Fast zärtlich rückte sich Jasmin Kolberg ihr großes Instrument, die fünfoktavige Marimba, zurecht, zelebrierte die Aufnahme der vier Schlägel und begann nach einer durchatmenden Konzentrationsphase ihr Spiel. Dieses wiederum bestand nicht aus einfachen Schlägen auf die Holzplättchen, also dem bloßen Erzeugen von Tönen.
   Dazu gehörte auch ein elegant wirkender, hoch konzentrierter Körpereinsatz mit tänzerischen Bewegungsabläufen einschließlich der Zwischenschritte von den hohen zu den tiefen Registern. Dass das Schlagen auf die Tonträger zu den unterschiedlichsten Ergebnissen führen kann, wurde in jedem Stück evident, wo zumeist dynamische und agogische Veränderungen zum Einsatz kamen, wie

beispielsweise im verhauchenden Decrescendo- Schluss des "Rhythm Song" von Paul Smadbeck. An einem Stück des Amerikaners Michael Burritt ließ sich auch die unterschiedliche Wirkung von hart und weich gewickelten Schlägeln demonstrieren.
   Jürgen Spitschka durfte sich ebenfalls "bewegen": Er war ein vielseitiger Begleiter, der immer wieder während des Stückes die Instrumente wechselte. An einer zweiten Marimba spielte er einen gleichwertigen Duettpart, unter anderem in zwei Tangos des argentinischen Tangokönigs Astor Piazzolla.
   Die rhythmisch sichere Übereinstimmung der beiden Protagonisten beeindruckte. Im Original für zwei Gitarren geschrieben, wurden viele Triller verlangt, welche, aus dem Handgelenk geschlagen, faszinierend ähnlich wie auf der Gitarre klangen.
   Ein andermal grundierte Spitschka das Spiel seiner Partnerin mit den Bongotrommeln oder ergänzte mit der Djembé genannten schlanken Vasentrommel und einem Schellenband das durch markante Akzentverschiebungen gekennzeichnete "Ghanaia" von Matthias Schmitt. Auch die Besucher durften mitwirken, als eine mit Kügelchen gefüllte Trommel durch die Reihen weitergereicht wurde, womit sich ein Meeresrauschen imaginieren ließ, passend zu "Memories of the Seashore" von Keiko Abe, einer japanischen Marimbavirtuosin. Jasmin Kolberg führte jeweils in die Vortragsstücke ein und gab

auch einige Erläuterungen zu ihrem Instrument. Weil die aus Indonesien über Afrika nach Amerika gekommene Marimba erst seit etwa 1960 als Soloinstrument genutzt wird, gibt es dafür nur zeitgenössische Originalliteratur. Das Konzert bot aber in harmonischer Hinsicht keine großen Zumutungen, wie mancher sie bei modernen Partituren schon fast erwartet. Das Programm war von den Rhythmen des Jazz reichlich durchsetzt.
   Als gut geeignet zu Eröffnung erwies sich "Dr. Gradus ad Parnassum" aus Claude Debussys "Children's Corner". Die Transkription für die quasi vierfingrigen Marimba-Spielhände ließ deutlich den impressionistischen Klaviersatz durchscheinen.
   Als Schlusspunkt bot Jasmin Kolberg eine eigene, auf einem Dreitonmotiv basierende Komposition, in der neben Marimba, Djembé und Schellen auch noch eine Kalimba zum Einsatz kam. Diese auch Daumenklavier genannt, ist eine Mischung aus Percussions- und Melodieinstrument mit Klangzungen und einem Resonanzkörper.
  Und ihre Spielfreude auf die Spitze treibend, bedankten sich Jasmin Kolberg und Jürgen Spitschka bei den begeistert applaudierenden Zuhörern mit einem witzig arrangierten Ragtime des Franzosen Eric Sammut.

Ulrich Schlecht
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