Presse [13. Oktober 2004 Heilbronner Stimme]
Jasmin Kolberg in Ellhofen

Alles fließt am Marimbaphon

Wie ein weiches Federbett wirkten die Töne, die Jasmin Kolberg ihrem Marimbaphon in der
St. Michaelskirche entlockte. Dabei stand trotz allem technischen Anspruchs nicht Virtuosität, sondern die persönliche Vermittlung im Mittelpunkt ihres kurzen begeisternden Konzertes.
Von Monika Köhler

Schwerelos gleiten die vier Schlägel - zwei an jeder Hand - über die viereckigen Stäbe aus braunem Holz. Geschmeidig bewegt sich die 1974 in Stuttgart begorene Jasmin Kolberg in der Evangelischen Kirche in Ellhofen am Marimbaphon, einem dem Xylophon verwandten Instrument afrikanischer Herkunft, mit dem sie sich den Ruf als einer der erfolgreichsten Nachwuchssolistinnen auf internationalen Konzertbühnen erspielt hat.
   Hohle Klänge wachsen aus der Tiefe der Resonanzröhren, die in den oberen Oktaven eine kleinere Gestalt annehmen und hellere Töne hören lassen, in der Dynamik variabel, je nach Stärke des Anschlags. Ein Gluckern wie bei einem über Steine gleitenden Fluss, ein Trommeln wie von Tropfen im tropischen Regenwald.

Flüsternd bilden sich neue Klangkelche aus der Berührung der Schlagstöcke mit dem Spieltisch etwa in Debussys " Dr. Gradus ad Parnassum". Dass Kolberg auch am Schlagzeug zu Hause ist, verrät sie mit "Restless" von Rich O'Meara, in dem Anschläge mit südamerikanischem Duktus und kurzen Aufenthalten in duftigen Wolkengebilden die Gehetztheit der Großstadt abbilden. Ihre Eigenkomposition "Kalimbob", eine Klangformel aus Rauschen und strengen Akkorden, trägt asiatische und Jazz- Einflüsse.
   Mit Keiko Abes "Memories of the Seashore" wächst ein Klanggespinst empor, das Geräusche wie Möwenschreie, Schiffstanker oder ein fernes Echolot ins Bewusstsein dringen lässt. Kaum ist noch ein einzelner Anschlag auszumachen, alles verschmilzt zu einer fließenden Einheit.

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