Presse [Hohenloher Tagblatt 23. September 2005]
Konzert im Kirchberger Rittersaal

Singende Trommeln
Was mit Schlagwerk alles möglich ist, demonstrierte Jasmin Kolberg

Dass es auch möglich ist, mit Schlagwerk ein klassisches Konzert zu bestreiten, das bewies am Sonntag Jasmin Kolberg im Rahmen eines Kirchberger Schlosskonzertes.


Text: RALF SNURAWA

Kirchberg Schon das erste Stück zeigte aber auch Umdeutungsmöglichkeiten. Claude Debussys
''Dr. Gradus ad Parnassum'' aus dem Klavierzyklus ''Children's Corner'' war kein bloß toccatenhaftes
Eröffnungsstück. Jasmin Kolberg betonte auf dem Marimbaphon eher die verträumten Seiten des
Stücks, was der warme Holzton des Instruments noch etwas verstärkte.

Danach gab es erst einmal Wissenswertes zum Instrument: Wo es herkommt, wie es entstanden ist
und weiterentwickelt wurde, wann es von Afrika über Mittelamerika und die USA den Weg in den
europäischen Konzertsaal fand und vieles mehr. Mit David Maslankas ''Variations on Lost Love''
knüpfte Jasmin Kolberg dann an den verträumten Ton von Debussys Stück an.

Nach zart-innigem Gesang zur melancholisch-elegischen Melodie im ersten folgten dramatisch
gestaltete und sehr ausdrucksstark gespielte Momente im zweiten Teil. Dazu fügte sich Johann
Sebastian Bachs Fuge aus der g-Moll-Violinsonate ganz hervorragend, zumal sie trotz bestechend
klar heraushörbarer Stimmeneinsätze nicht als Fuge erschien.

Zwischen den beiden, auf Klangfiguren setzenden und etüdenhaft wirkenden ''Rotations'' von Eric
Sammut und Matthias Schmitts ''Ghanaia'' mit Anklängen an afrikanische Rhythmen mit virtuosen
wie auch tänzerischen Momenten hatte Jasmin Kolberg das Instrumentarium in ihrem eigenen Stück
''Insomnia'' (Schlaflosigkeit) erweitert.

Neben dem Marimbaphon bestimmten hier vor allem so genannte Burma-Gongs in bestimmter
Tonhöhe das Stück, das langsam und beruhigend begann. Aus der ruhigen Bewegung des Anfangs
schälte sich eine schnellere heraus, die schließlich in Melodiemomenten gipfelte, ehe das Stück
wieder in seine Ausgangssituation zurücksank.

Mit Trommelschlägen wurde der zweite Teil des Abends im Rittersaal eröffnet. Kevin Volans
''Asanga'' zeigte dabei, dass auch Trommeln sprechen und singen können. Interessant wirkte die
mit Grazie versehene Ausführung der hoch virtuosen Komposition. Danach kehrte Jasmin Kolberg
wieder zu ihrem Instrument, zum Marimbaphon zurück.

Emmanuel Séjournés ''Nancy'' brachte Beruhigung und bot Raum für nachdenkliches Sich-in-der-Melodie-verlieren, dem sich melodisches Schweifen in Sammuts ''Stroboscope'' anschloss. Mit Keiko Abes ''Memories of the Seashore'' wurde das Publikum als Mitspieler eingebunden, ehe sich das Konzert mit dem ''Libertango'' Astor Piazzollas spannungsreich und mit dramatischen Aspekten versehen dem Ende zuneigte. Und nach einer Zugabe für das begeisterte Publikum konnte dieses auf der Bühne in direkte Diskussion mit der Künstlerin treten, was viele wahrnahmen.

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