Presse [5. März 2004 Haller Tagblatt]
Konzert / Jasmin Kolberg mit Marimbaphon in St. Michael

Weich gebettete Töne

Wie ein weiches Federbett wirkten die Töne, die Jasmin Kolberg ihrem Marimbaphon in der
St. Michaelskirche entlockte. Dabei stand trotz allem technischen Anspruchs nicht Virtuosität, sondern die persönliche Vermittlung im Mittelpunkt ihres kurzen begeisternden Konzertes.
Schwäbisch Hall - Zwar hatte die Marimbaphonspielerin an den Beginn ihres Konzertes ein Stück gestellt, das Claude Debussys Klavierzyklus "Children's Corner" eröffnet. Doch das Toccatenelement stand nicht im Vordergrund. Jasmin Kolberg rückte vielmehr die nachdenklichen Passagen von "Dr. Gradus ad Parnassum" ins Bewusstsein. Das Werk klang auf dem Marimbaphon weitaus weicher als auf dem Klavier.
   Danach gab es - wie das gesamte Konzert hindurch - etwas zur Geschichte und zur Technik des Instrumentes zu hören, charmant vermittelt von der Musikerin. Und nach dem Konzert nahmen etliche Konzertbesucher die Gelegenheit wahr, die Jasmin Kolberg angeboten hatte: das Marimbaphon einmal aus der Nähe kennen zu lernen und sich noch mit der Interpretin zu unterhalten.
Zwischen Kolbergs mit Drive und Groove gespieltem "Kalimbob" und Rich O'Mearas"Restless", in der das Formulieren der unterschiedlichen Schattierungen überzeugte, lag der Höhepunkt des Konzertes: eine Fuge Johann Sebastian Bachs. Sehr ausdrucksvoll gesungen wurde sie von der Musikerin gespielt. Den einzelnen Stimmen sprach sie niemals ihre Eigenständigkeit ab. Neben dem schönen Phrasieren überzeugte auch der differenzierte Einsatz der Dynamik.
   Michael Burritts "Caritas" brachte in der Folge gelungene Gegenüberstellung zwischen in sich ruhenden, ein wenig choralartigen Wechselnotenbewegungen, und schnellen Toccatenläufen. Matthias Schmitts "Ghanaia" und Eric Sammuts "A Star Piazzolla" ließen schließlich durch ihren pulsierenden tänzerischen und vorantreibenden Charakter aufhorchen.


Ralf Snurawa
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