Presse [Main Echo 05. Dezember 2005]

Jasmin Kolberg lässt »das Holz singen«
Moderne und klassische Klänge beim Marimba-Konzert auf der Sulzbacher Konzertwoche

Sulzbach. »Las maderas que cantan.« - »Das Holz, das singt.« So bezeichnen die Mexikaner die Marimba. Dass diese Umschreibung durchaus treffend ist, bewies die Percussionistin Jasmin Kolberg auf ihrem freitäglichen Marimba-Konzert bei der Sulzbacher Konzertwoche. Die junge Musikerin bescherte dem Publikum nicht nur ungewöhnliche, sondern auch sehr moderne Töne, die der St. Anna Kirche noch nicht erklungen sein dürften..

Die blonde junge Frau neigt den Kopf nach unten und versinkt für ein paar Sekunden in tiefe Konzentration. Ein paar Mal schwingt sie die vier Schlägel in ihren Händen rhythmisch wenige Zentimeter durch die Luft, bevor sie zu spielen beginnt. Am Ende eines Stückes verharrt sie wieder ein paar Sekunden. Dann fällt die Konzentration von ihr ab und mit einem gelösten Lächeln scheint sie wie aus einer Trance zu erwachen.
Eine Trance, in die Jasmin Kolberg auch die Zuhörer in der nur halb vollen St. Anna Kirche spielte. Sie ließ das Holz der Marimba (siehe »Das Stichwort«) nicht nur singen, sie ließ es schluchzen und klagen, sie ließ es dramatisch drohen und einfühlsam schmeicheln, kurz: Sie berührte ihre Zuhörer mit den ungwöhnlichen, weil unbekannten Tönen der Marimba, die samtig-tief und wohlklingend rund-harmonisch ins Ohr dringen.
Dennoch musste man sich erst einhören, vor allem bei bekannten eigens fürs Marimbaphon bearbeiteten Stücken von Bach und Debussy, deren Stücke sich auf dem großen Bruder des Xylophons etwas anders anhörten. Allerdings nicht schlechte, insbesondere Debussy eignet sich mit seinen perlend-poetischen Kompositionen hervorragend für eine Marimba-Interpretation.
Aber nicht nur klassisches bot die mehrfache Preisträgerin aus dem Raum Stuttgart dar, sondern auch modernes, wie die Eigenkomposition »Insomnia« – schlaflos, in der sie die Marimba mit vier Burma-Gongs, einer Kuhglocke und einem Pfannengong kombinierte. In den sphärischen Klängen trat der nächtliche Kampf des müden und sich nach Schlaf sehnenden Menschen, dem der Schlummer versagt bleibt, fast greifbar hervor.
Weniger eingängig und nur etwas für echte Percussion-Fans war das auf mehreren Trommeln gespielte zeitgenössische Werk »Asang« eines irischen Komponisten mit südafrikanischem Einfluss. Auch wenn es eindrucksvoll die musikalische Bandbreite der Künstlerin unter Beweis stellte, entzog es sich in seiner a-melodiösen Art dem spontanen Hörgenuss. Ganz im Gegenteil zum »Libertango« des Tango-Komponisten Astor Piazolla. Hier zeigte Jasmin Kolberg, dass sie der Marimba auch jene rassig-temperamentvollen Töne dieses argentinischen Tanzes entlocken kann.
So erlebten die Zuhörer in der St. Anna Kirche einen interessanten und anspruchsvollen Konzertabend gleichermaßen, der sie mit einem neuen Musikinstrument und einer beeindruckenden Künstlerin bekannt machte, die sich engagiert und professionell für ihr Instrument und ihre Musik einsetzt.

Nina-Anna Beckmann

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