Presse [14. April 2003 Norddeutsche Neueste Nachrichten]
Rostock
Tschaikowski war die Überraschung
Kühner Kontrast beim 8. Philharmonischen Konzert

Das war ein kühner Kontrast, den das 8. Philharmonische da brachte: Am Anfang ein Konzert für Schlagzeug (1978) von Bertold Hummel, am Schluss Tschaikowskis 4. Sinfonie, am Anfang die Welt der Moderne, geprägt vom Geist des Rhythmus, am Schluss die Welt der Spätromantik, geprägt vom Geist schwelgerischer Melodik.

Unvereinbar waren diese Gegensätze nicht, eher erfrischend. Hummel hat ein echtes Konzert komponiert, in dem das Schlagzeug an die Stelle des klassischen Soloinstruments tritt, im wechselvollen Dialog mit dem Orchester, mit eigenen ausgeführten Kadenzen. Das gibt es selten und die junge Schlagzeugerin Jasmin Kolberg (28) nutzte den angebotenen Raum mit einer intensiven Musikalität.

Mit ihrer virtuosen und sensitiven Schlagtechnik entgegnete sie den sinfonischen, teils drohenden, teils klagenden Gesten des Orchesters, gab ihnen mit den Kadenzen überraschende Farben und rhythmische Figuren gleichsam als Anregungen. Dabei gelang ihr sogar das Ausdruckskunststück, nur mit Schlaginstrumenten einen Klagegesang“ zu gestalten, der sich dann in einem wirbelnden Vivace auflöste. Heftiger Beifall mit Fußgetrappel war der Lohn.
   Schon hier hatte der Gastdirigent des Abends, der Japaner Tetsuro Ban (35), der jetzt Kapellmeister an der Komischen Oper Berlin ist, den Grundton angeschlagen. Er ließ die Philharmonie genau, klar disponiert und in kräftigen Konturen spielen. Als Brücke zum Tschaikowski hatte er.......

Heinz Jürgen Staszak
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