Presse [21. Februar 2004 Neue Württembergische Zeitung]
Jasmin Kolberg begeistert mit ihrem Marimbaphon auf Schloss Filseck

Fein nuanciert Töne gezaubert

Mit eindrucksvollen Interpretationen klassischer Werke sowie mit modernen Klängen faszinierte die junge Marimbistin Jasmin Kolberg ihr Publikum auf Schloss Filseck. Charmant moderierte sie das Programm und erläuterte Instrumente, Komponisten und ihre Werke.

LILLI ELL

uhingen* Manche Transkription klingt bei Jasmin Kolberg fast so, als ob sie schon im Original für Marimbaphon geschrieben wurde. Claude Debussys ''Dr. Gradus ad Parnassum'', das eigentlich für Klavier komponiert wurde, stand am Anfang des Abends. Die Künstlerin zauberte Töne, wie man sie kaum von diesem Instrument erwarten würde, fein nuanciert, mit leuchtenden Klangfarben. Dasselbe lässt sich für Bachs Fuge aus der Violinsonate g-moll sagen. Man vermisste keinen Augenblick die Violine, so differenziert erklang dieses Stück.

Die vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten des Instruments konnte Jasmin Kolberg besonders bei den mit großer Prägnanz und einfühlsamer Musikalität vorgetragenen, eigens für das Marimbaphon komponierten Stücke zeigen. In Rich O'Mearas ''Restless'' begegnete den Zuhörern das Lebensgefühl in der Neuen Welt, rasche, präzis musizierte Rhythmen erinnerten an die frühe Zeit der Einwanderer. Keiko Abes ''Memories of the shore'' zauberte friedvolle, sanfte Bilder von Strand und Meer in die Köpfe, mal stürmisch, mal sanft verhalten, unterstützt durch das Publikum, das sich ein bisschen zurückhaltend zwar, aber doch sehr interessiert mit einem in der ersten Reihe durchgereichten Klangkörper beteiligte.

Einige Stücke spielte Jasmin Kolberg von ihrem Lehrer Prof. Eric Sammut: ''Stroboscope'' und Rotation 1, 2 und 4, wobei sie einmal mehr ihre Virtuosität unter Beweis stellen konnte. In ''Ghanaia'' von Matthias Schmitt leuchteten exotische Klänge auf, die Farbigkeit und Ausstrahlung Afrikas, wo das Instrument ursprünglich beheimatet war, wurden beschworen. Eindrucksvoll auch eine eigene Komposition von Jasmin Kolberg: ''Insomnia'', Schlaflosigkeit. Lange Glockenschläge lassen die Qual einer schlaflosen Nacht ahnen, dann aber befasst sich der Schläfer mit heiteren Bildern, die den Schlaf bringen sollen. Am Schluss verhallen die Glockenschläge, es bleibt unklar, ob der Schläfer Ruhe gefunden hat.

Mit Piazzollas ''Libertango'', einer rasant musizierten Bearbeitung von Eric Sammut, endete ein grandioser Abend. Der Beifall war entsprechend herzlich und anhaltend. Mit der Zugabe ''Ragtime'' von Eric Sammut zeigte Jasmin Kolberg noch einmal ihr ganzes Können, aber auch die heitere, kreative Seite der Musik auf dem Marimbaphon

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(c) SWP/Neue Wuerttembergische Zeitung

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