Presse [Neue Württembergische Zeitung 28. April 2005]
INTERVIEW mit Marimba-Spielerin Jasmin Kolberg

"Möchte die Zuhörer mit meiner
Musik berühren"

Heute beginnt im Uditorium das Festival der Schlaginstrumente mit vielen namhaften Musikern. Künstlerische Leiterin ist die renommierte Marimba-Spielerin Jasmin Kolberg. Kulturredakteur Marcus Zecha hat sich mit ihr über die Vielfalt der Percussion-Musik unterhalten.

•• Was hat Sie als Musikerin gereizt, eine ganze Konzertreihe mit perkussiver Musik zu veranstalten?

JASMIN KOLBERG: Ich sehe darin eine große Chance. Für Veranstalter gehaltvoller Musik werden die Bedingungen immer schwieriger. Das Publikum klassischer Konzerte wird im Schnitt älter, viele Jugendliche gehen gar nicht mehr ins Konzert. Wir zeigen mit diesem Festival einen Weg abseits der ausgetretenen Pfade auf und bieten ein breites Spektrum anspruchsvoller Musik, das Jung und Alt anspricht.

•• Was erzählen Sie denen, die sagen, sie setzen lieber auf die bewährte Hochkultur, weil das weniger riskant ist?

KOLBERG: Diese Scheu ist oft unbegründet. Ich habe unlängst ein Konzert mit teils ungewöhnlichen Stücken beim Sekthersteller Henkell gespielt. Das Publikum war begeistert. Ein Besucher hat gesagt: Endlich werden diese heiligen Hallen mal entstaubt! Wenn wir vermeiden wollen, dass uns das Konzertpublikum wegbricht, müssen wir uns um neues Publikum bemühen.

•• Wer wird neben den Freunden klassischer Musik beim Uhinger Festival bedient?

KOLBERG: Das Spektrum reicht von authentischen westafrikanischen Percussion-Klängen mit "Tasuma'' zur Eröffnung über die bunte Stilmischung von Vivaldi bis Zappa, die das Rostock Percussion Project auf die Bühne bringt, bis zum entspannenden Chill-out-Konzert im Foyer mit "Planet Lounge'' am Freitag.

•• Was erwartet die Zuhörer bei der Langen Nacht der Percussion am Freitag?

KOLBERG: Vor dem Konzert mit Planet Lounge gibt es ein breites Spektrum melodiöser, aber auch virtuoser Musik mit dem Schwerpunkt Marimba: Eric Sammut, Solopauker des "Orchestre de Paris'' und Professor an der dortigen Hochschule, spielt auf der Marimba Bearbeitungen von Vangelis, Puccini und Edith Piaf, im Duo Marimba/Vibraphon spielt er mit mir Stücke meiner neuen CD "Mosaique''. Mit dabei ist Hakim Ludin aus Afghanistan, ein Meister der Percussion, der ständig mit Konstantin Wecker unterwegs ist. Er wird unserem gemeinsamen Programm mit raffinierten Percussion-Klängen rhythmische Glanzlichter aufsetzen.

•• Schlagzeug-Festivals gibt es in Europa und Übersee einige. Was zeichnet das Percussion-Festival in Uhingen aus?

KOLBERG: Bei den meisten Festivals sind die Musiker unter sich: Schlagzeuger-Verbände organisieren das Programm, bei dem Schlagzeuger aus aller Welt vor Schlagzeugern ihr Können unter Beweis stellen. Ich wollte von vornherein die Öffnung nach außen. Das heißt: Wir bieten musikalisch etwas für die "normalen'' Besucher, nicht nur für Fachpublikum.

•• Wie sind Sie überhaupt dazu gekommen, eine solche Veranstaltung zu betreuen?

KOLBERG: Das war eine Gemeinschaftsidee der Stadt Uhingen und des dortigen Fördervereins. Lothar Bargiel und Roswitha Heinemann, die dort sehr engagiert sind, sind an mich herangetreten und haben mich gefragt, ob ich nicht die künstlerische Leitung übernehmen will.

•• Das bedeutet viel Arbeit, nehme ich an?

KOLBERG: O ja, das reicht von der Ausgestaltung des Programms und zig Anrufen bei Künstlern über die Suche nach Sponsoren bis zum Kleben von Plakaten.

•• Ihr Vater hat eine Firma für Percussion-Instrumente. Da muss ich Sie eigentlich nicht fragen, wie Sie zur Marimba gekommen sind. . .?!

KOLBERG: Ich lernte anfangs gleichzeitig Schlagzeug, Klavier und Geige. Mit zehn, zwölf Jahren habe ich dann gemerkt, dass die Marimba mit ihren Möglichkeiten, über die vier Schlegel Melodien und Harmonien zu gestalten und zugleich perkussiv zu spielen, meinem Temperament am meisten entspricht. Und mit 16 Jahren war mir klar, dass ich Marimba und klassisches Schlagzeug studieren will.

•• Glauben Sie, dass das Publikum mit dem Hörgenuss von Percussion-Instrumenten umgehen kann, oder ist es immer noch ein exotisches Etwas, das man bestaunt?

KOLBERG: Nein, die meisten haben über das Exotische hinaus die Schlaginstrumente im Konzert zu schätzen gelernt. Marimba ist ja ein sehr harmonisches Instrument, ähnlich dem Klavier, auf dem man auch Bearbeitungen von Debussy oder Bach spielen kann. Trotzdem verbinden einige mit einem Schlaginstrument rein perkussive Rhythmen. Für mich persönlich ist der Klang Grundlage der Musik. Und eben die Musik möchte ich ja vermitteln und nicht irgendeinen Show-Effekt. Die Leute sollen aus meinen Konzerten gehen und sagen: "Das war schöne Musik!'' und nicht "Das war aber interessant!''. Es geht nicht darum, virtuose Zirkusnummern abzuziehen, sondern die Zuhörer mit dieser Musik zu berühren.

•• Aber es gibt schon authentische und weniger authentische Percussion-Musik?

KOLBERG: Darauf lege ich viel Wert - auf Authentizität. Tasuma etwa ist den Großteil des Jahres in Afrika. Dort ist die Musik Teil ihres täglichen Lebens. Sie treffen sich mit ihren Jungs zum Trommeln. Um das zu finden, habe ich auch eine ganze Weile suchen müssen. Ich wollte eben keine verpoppte Afro-Musik mit E-Bass und Saxophon, sondern puristische, ehrliche Musik.

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