Presse [Neue Württembergische Zeitung 2. Mai 2005]
nwz präsentiert / "Lange Nacht der Percussion" mit Jasmin Kolberg, Eric Sammut und Hakim Ludin
im Rahmen des Uhinger Festivals


Beseelte Schlagzeugmusik von Puccini über Piazzolla bis Piaf

Gleich drei Meister auf ihren Instrumenten konnten die Besucher am Freitag im restlos ausverkauften Uditorium erleben. Wer danach immer noch nicht genug hatte, lauschte im Anschluss den jazzigen Chill-Out-Klängen von "Planet Lounge''.

MARCUS ZECHA

UHINGEN Jasmin Kolberg, Erik Sammut und Hakim Ludin waren die Stars der "Langen Nacht der Percussion'', doch davor gab es im prall gefüllten Uditorium noch viele Sternchen zu sehen und hören. Die vier Workshop-Gruppen von Leiter Eckhard Stromer zeigten bei ihrer Premiere mit kleinen, aber feinen Stücken, welch erstaunliche Ergebnisse nach nur wenigen Stunden Kursdauer möglich sind. Nach diesem erfrischenden Auftakt gestaltete Jasmin Kolberg, die zudem prägnant mit Wissenswertem über Musiker und Instrumente durch den Abend führte, den ersten Höhepunkt. Gleich zu Beginn zeigte die in Uhingen aufgewachsene "Lokalmatadorin'' ihre Musikalität in Piazzollas "Libertango'', wo sich die melancholische Strenge im Klangfluss der Marimba auflöste. Auch in eigenen Kompositionen, darunter das Stück "Insomnia'' für vier Gongs und Marimba, zeigte die mehrfache Preisträgerin ihr filigranes Spiel.

Eric Sammut, Komponist und Schlagzeug-Professor aus Paris, entführte das Publikum anschließend in die Welt der Oper (Puccini, Bizet), des Chansons (Piaf) und der Popmusik (Vangelis). Das perlende Marimbaspiel steht in reizvollem Kontrast zu Sammuts klar abgezirkelten jazzig-lyrischen Kompositionen. Beeindruckend das Zusammenspiel von Eric Sammut und Jasmin Kolberg. Vor allem bei Piazzollas Tango Nr. 1, bearbeitet für zwei Marimbas, demonstrierten sie, welche enormen klanglich-dynamischen Möglichkeiten in diesem Instrument stecken. Ein klar strukturiertes Thema, lyrisch-zarte Improvisationen, virtuose Klangkaskaden und expressive Ausbrüche waren hier in komplexer Komposition verwoben. Hier zeigte sich, dass das Zusammenspiel von Sammut und Kolberg längst aus dem Lehrer-Schülerin-Verhältnis herausgewachsen ist. Hier begegneten sich zwei große Könner auf Augenhöhe und machten gemeinsam beseelte Musik.

Den Abend der Kontraste komplettierte Hakim Ludin. Der Ausnahme-Percussionist, gerade zurück von seiner Tournee mit Konstantin Wecker, entlockte unterschiedlichsten Schlaginstrumenten von der indischen Snake-Drum über die kubanische Cajon (ursprünglich eine Zigarrenkiste) bis zu den bauchigen, warmtonigen Water Drums unglaubliche Töne, Sounds und Rhythmen. Und als Highlight taten sich am Ende Kolberg, Sammut und Ludin erstmals zu einem gemeinsamen, viel beklatschten Impro-Stück zusammen.

Nach kurzer Umbaupause gab es dann spät nachts noch innovative Easy-Listening-Klänge und feinen Lounge-Jazz mit dem Trio "Planet Lounge'', das nach drei CDs (die vorläufig letzte erschien erst vor einer Woche) erstmals im Live-Konzert zu hören war. Also noch eine Premiere im Uditorium! Auf dem jazzig-funkigen Klangteppich der Keyboards von Soundtüftler Nacki Kenji und Jazz-Pionier Christoph Spendel konnte sich das vielschichtige, dynamische Percussion-Spiel Hakim Ludins bestens entfalten. Und schon nach kurzer Zeit - bei "Kabul Massala'' - fingen die ersten Besucher an zu tanzen. Dem Veranstaltungsnamen "Lange Nacht'' machte "Planet Lounge'' mit seiner Chill-Out-Music im besten Wortsinn jedenfalls alle Ehre.

Fazit: Ein so hochwertiges Percussion-Spektakel, das vom Publikum so gut angenommen wurde, schreit geradezu nach Wiederholung.

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