Presse [9. März 2004 Schwäbische Post]
BENEFIZKONZERT / Ostwürttembergs „Soroptimistinnen“ freuen sich im Wi.Z in Aalen
über ein ausverkauftes Haus

Wellnesspackung für das Gemüt

In lichtem Goldton leuchtet der Schriftzug „Soroptimist International“ auf dem blauen Grund des Tuches. Die selten erlebte Abendsonne ist wenigstens am Sonntag genau richtig zur Stelle, um den guten Zweck ins rechte Licht zu rücken. Die junge Marimbavirtuosin Jasmin Kolberg und der Percussionist Jürgen Spitschka musizierten im ausverkauften „la cantina“ im Wi.Z zugunsten der Soroptimist-Projekte „Aalener Modell“ und SOLWODI.

Einen „besonderen musikalischen Leckerbissen“ hatte Präsidentin Charlotte Helzle auch für das vierte Wohltätigkeitskonzert des Clubs Aalen/Ostwürttemberg angekündigt. Und damit nicht zu viel versprochen. Die zarte Blondine bettete sich zwar nicht auf die Klangholzplatten ihres Instruments, wie auf dem Programmfoto neckisch suggeriert - aber zum Dahinschmelzen waren die weichen Töne allemal, in denen sie mit wirkungsvoll akzentuierender Unterstützung durch ihren kontrastreich ganz in schwarz gewandeten Partner Jürgen Spitschka ihr Publikum baden ließ.
   Ein Wellness-Programm für das Gemüt. Mal sanft perlend, mal kräftig strudelnd umschmeicheln und massieren die mit flinken Händen geklöppelten Melodielinien und Akkorde den Gehörsinn. Mit einer Prise Debussy (Dr. Gradus ad Parnassum) eröffnet die schon mit diversen Preisen dekorierte Marimbistin die ohrale Sinnenfreude. Auch in der Originalkomposition des jungen Franzosen Eric Sammut „Rotation 2, 4 und 1“ perlen und pulsieren die Klang gewordenen Noten energisch und energetisch, vorangetrieben von Jürgen Spitschka auf den Bongos. In zwei gepflegte Melancholie atmenden Tangos von Astor Piazzolla wird ihr der

Schlagzeuger vom Staatstheater Baden-Württem-berg noch auf dem Xylophon assistieren.
   Etwas gewöhnungsbedürftig ist die transkribierte Fuge aus der Bach-Sonate g-moll für Violine solo. Aber was soll die junge Virtuosin auch machen. Seinen steinigen Weg in die Konzertsäle begann das aus Afrika über Mittelamerika in die USA gelangte Instrument erst vor rund 100 Jahren. Originalliteratur also Mangelware. Weshalb Jasmin Kolberg sich eben aus dem reichen Fundus der europäischen Klassik bedient, wie sie ihrem Publikum erläutert - oder ihr Spielmaterial zum Klöppeln selbst notiert. Das klingt dann auch entsprechend authentisch. „Insomnia“ (Schlaflosigkeit) gefällt als hellwache romantische Impression mit drei großen Gongs als klanglichen Eckpfeilern. Das mit den Klöppeln war jetzt ein grober Fauxpas. „Schlägel“ heißt das Klopfgerät neuerdings. Obwohl man mit Schlegel im Grunde nicht daneben läge; schlugen die schwarzafrikanischen Altvorderen doch schon mit abgenagten Hühnerbeinen auf das Klangholz.
   In Martin Schmitts „Ghanaia“ erweist das Duo mit lebhaften Rhythmen den Urvätern pflichtschuldigst seine Reverenz. Erst Recht im abschließenden „Kalimbob“, bei dem Spitschka zur Kalimba greift; einem afrikanischen Zupfinstrument, das aussieht wie eine bauchige Zither und auch so klingt. Für den herzlichen Beifall revanchierten sich die beiden Schlagwerker mit einem vergnüglichen Rausschmeißer mit Tröte.
   Zu Beginn hatte Dr. Annette Speidel den Gästen die in dieser Zeitung schon wiederholt vorgestellten Hilfsprojekte ans Herz gelegt.

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