Presse [Schwäbische Zeitung 13. Februar 2006]
KULTUR / Die Musikerin Jasmin Kolberg beklagt Massenkonsum des Publikums

Bereit sein, sich auf Neues einzulassen


Kultur entwickelt sich immer mehr in Richtung Massenkonsum, bedauert Jasmin Kolberg. Die 36-jährige Musikerin aus Uhingen weiß, wovon sie spricht. Als Perkussionistin steht sie für die Künstler, die erfolgreich Nischen bedienen.

Jasmin Kolberg schlägt Rhythmen, trommelt und singt mit dem Holz der Marimba. Als Perkussionistin wird sie in den USA, in Japan, Südafrika und in Europa gefeiert. Ihre Konzerte und CD-Einspielungen finden in der Fachwelt große Beachtung. Doch ihre Musik ist alles andere als Massenware. Das stört die Musikerin und Komponistin, die als Tochter einer Geigerin und eines Perkussionisten inmitten von Schlaginstrumenten aufgewachsen ist, wenig. Doch sie findet es traurig, dass viele Veranstalter nur noch das anbieten, was vom Gros des Publikums gewünscht wird. Dabei könnte Kultur für das Publikum durchaus spannender sein, wenn es bereit wäre, sich auf Unbekanntes einzulassen. "Wenn man in ein Theaterstück geht, von dem man nichts weiß, dann hat man doch die Chance, etwas Neues zu erleben. Das muss nicht gleich rundum begeistern, es kann ja einfach zum Nachdenken anregen", sagt die Musikerin. Für Kolberg trägt jeder Einzelne Mitverantwortung dafür, was Kultur in einer Gesellschaft ausmacht. "Kultur muss gelebt werden. Nicht nur von Veranstaltern und Künstlern, sondern eben auch vom Publikum." Die Menschen müssten erkennen, so Kolberg weiter, dass sie Individuen seien, jedes etwas Eigenes und Besonderes. Sie sollten nicht immer alles tun, nur weil es gerade angesagt ist. "Es erschreckt mich oft, wie viel Druck zur Anpassung vorhanden ist und wie Energie aufgewendet wird sich anzupassen", so die Musikerin im Interview mit der NWZ. Dabei biete gerade Kultur "die Chance, zu seinen wahren Bedürfnissen und zu sich selbst zu finden." NWZ-Charakterkopf

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