Presse [Saarbrücker Zeitung 23. April 2008]
Gleißend hell bis neblig trüb
7. Sinfoniekonzert des Staatsorchesters in Saarbrücken

Saarbrücken. „Vom Süden in den Norden“ hätte der Montagabend in der Saarbrücker Congresshalle heißen können: aus gleißender Helligkeit ins nebelig Trübe, von Botticelli zu Munch. ,,Trittico botticelliano“ von Ottorino Respighi leuchtete mit unverhohlenen Anklängen an Vivaldis ,,Frühling“. Zitathaft auch der zweite Satz, ein Siciliano, vom Fagott klangschön eingeleitet. Entsprechend der Bildvorlage, ,,Die Anbetung durch die Weisen“, wurden die drei Weisen durch Orientalismen und Arabesken angedeutet. Mitreißende Steigerungen dann im Finale. Am Pult stand Micheal Sanderling, auch als Cellist weltweit geschätzt. Unter seiner Leitung blühte das Staatsorchester in der 2. Sinfonie von Jean Sibelius klanglich auf, entwickelte im Scherzo bravouröse Virtuosität. Kämpferische Revolte gegen die zaristische Okkupation Finnlands, die manche heraushören wollen, war hier nicht zu spüren, eher melancholische Abgeschiedenheit des Komponisten in seinem Holzhaus fern der Stadt.

Bei James MacMillans ,,Veni, veni, Emmanuel“ wurde es laut. Zuweilen schockierten bruitistisch übereinander getürmte Klangblöcke, gekrönt von schrillen Obertönen. Der schottische Komponist gab sich hier schroff. Doch die Schlagzeugerin Jasmin Kolberg fügte grazil zwischen Instrumenten umhereilend andere Klänge hinzu. Dem jubelnden Publikum dankte sie mit einer Marimba- Zugabe, Piazzollas ,,LiberTango“. Grandios!

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